Wie viel Hitze kann man ertragen?

Ende Juni dieses Jahres fand die Mitgliederversammlung des Europäischen Tierschutzdachverbandes Eurogroup for Animals statt. Auch in Brüssel zeigte die Hitzewelle mit mehr als 35 Grad, was sie kann. Die Delegierten waren froh, im vollklimatisierten Versammlungsraum tagen zu dürfen. Eines der Themen: Die im Parlament und der Kommission in Überarbeitung befindliche EU-Tiertransportverordnung.

Eigentlich sollten Überarbeitungen bei Gesetzen eine Verbesserung bringen. Doch schon im EU-Parlament wird deutlich, dass es die Landwirtschaftslobby auf erhebliche Verschlechterungen beim Schutz der Tiere abzielt. Tierschutz darf scheinbar kein Geld kosten!

In Südeuropa finden Tiertransporte überwiegend bei jenen klimatischen Bedingungen statt, die wir als Hitzewelle bezeichnen. Maximal 35 Grad sind erlaubt, für Rinder bis 29 Stunden am Stück, dichtgedrängt im LKW unter sengender Sonne. Sollen die Transporte die EU verlassen, werden die Tiere meist auf „ausgediente“ alte Frachtschiffe geladen und weiter nach Nordafrika oder den Nahen Osten verschifft.

Warum gibt es Kühltransporter?

Für die Tiere unerträglich, aber für viele Landwirte und EU-Parlamentarier wohl noch fast luxuriöse Reisebedingungen. Denn nur so kann man verstehen, wenn diese sich so vehement gegen mehr Tierschutz beim Transport einsetzen. Warum sogenanntes Vieh überhaupt lebendig über lange Wege transportiert werden muss, ist vollkommen unverständlich. Denn vor fast 100 Jahren wurde mit dem „Thermo King“ der Tiefkühltransporter erfunden. Wie viel muss die Schlachtung im Süden Europas oder in Nordafrika billiger sein, dass man den Tieren tagelange Transporte zumutet?

Selbstversuch zur Nachahmung empfohlen

Am Ende der Mitgliederversammlung fand vor dem EU-Parlament eine Demonstration statt. Gesundheitlich angeschlagen fragte ich mich laut, ob ich mir das zumuten sollte. Das hörte Reineke Hameleers, die Geschäftsführerin des Dachverbandes: „Die Tiere in den LKW haben keine Wahl!“, entgegnete sie treffend. Und so nahm ich an der Demo teil. Ein Selbstversuch bei 35 Grad im Schatten, den es vor dem EU-Parlament mittags leider nicht gab. Ein Erlebnis, das schnell an seine Grenzen stieß. All jenen EU-Abgeordneten und tierhaltenden Landwirten, die gegen eine deutliche Verbesserung der Transportbedingungen sind, empfehle ich: Machen Sie selbst einmal die Erfahrung von Rind & Co. „Reisen Sie“ auf der Ladefläche, dichtgedrängt, 29 Stunden ohne Pause bei über 30 Grad. Danach ist ihre Einstellung sicher ein andere.

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